Informationen zu Finance & Sustainability

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TitelAuswertung zur Umfrage „Sustainable Finance Management“
Zusammenfassung

Das Thema Nachhaltigkeit ist mittlerweile – zumindest bei fortschrittlichen (d.h. „Mittelfeld-“ oder „Führen- den“) Instituten – eindeutig im Finanzsektor angekommen. Das manifestiert sich u.a. in einer Vielzahl schrift- licher Absichtserklärungen. Dabei stellen strategische Überlegungen zur Unternehmensentwicklung heute ein mindestens ebenso wichtiges Motiv dar wie regulatorische Anforderungen. Risiko- und Rendite-Erwä- gungen fallen demgegenüber aber noch deutlich zurück.
Auch wenn deutliche Unterschiede zwischen Instituten unterschiedlicher Nachhaltigkeits-Reife festzustellen sind, hinkt der aufbau- und ablauforganisatorische Umgang mit Nachhaltigkeits-bezogenen Themen den äu- ßeren Entwicklungen aber insgesamt hinterher.
Bislang werden (einzelne) Nachhaltigkeits-Themen noch eher projekthaft, von Einzelpersonen (mit-) bear- beitet bzw. von zentral angesiedelten Nachhaltigkeits-Beauftragten oder -Abteilungen verantwortet. Deren meist geringe Ressourcen begründen sich vermutlich auch aus dem Umstand, dass es sich beim Thema Nach- haltigkeit lange um ein vergleichsweise beschränktes Aufgabenfeld handelte, mit nur mittelbaren (z.B. Re- putation-) Auswirkungen auf die betrieblichen Kernfunktionen und Geschäftsbereiche.
Entsprechend gibt es zwar vielerorts (auch messbare) Nachhaltigkeits-Ziele, aber sie sind kaum Bestandteil eines umfassenden Controllings. Auch ambitionierte Nachhaltigkeits-Programme zur Umsetzung dieser Ziele fehlen in vielen Instituten, ebenso wie die Berücksichtigung von Nachhaltigkeits-Leistungen bei der Beurtei- lung von Personal außerhalb der Zentral-Einheiten. Ein wirklich umfassender Nachhaltigkeits-Ansatz wird nur von Wenigen verfolgt.
Im neuen Kontext von Sustainable Finance muss sich das jedoch deutlich ändern. Nun strömen eine enorme Vielzahl und Vielfalt von Nachhaltigkeits-Themen und -Anforderungen von außen auf die Unternehmen ein und müssen zumeist von den zentralen Einheiten identifiziert und bewertet werden.
Gleichzeitig sind viele dieser Themen und Anforderungen nun auch von unmittelbarer Bedeutung für fast alle dezentralen Funktions- und Geschäftsbereiche. Allerdings fehlt dort oft die aufgabenspezifische Nach- haltigkeits-Expertise. Qualifizierungsbedarf wird zu einem breiten Spektrum von Nachhaltigkeits-Themen konstatiert, verlangt aber Zeit. Entsprechend werden die zentralen Nachhaltigkeits-Experten häufig zu Rate gezogen und koordinierend in Projekte einbezogen, jedoch ohne merkliche Änderungen in ihren Entschei- dungsbefugnissen und Ressourcen.
Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass es zwar, zumindest für die Zentral-Einheiten, oft schriftliche Nachhaltigkeits-Mandate gibt, diese aber in vielen Fällen den neuen Aufgaben nicht (mehr) gerecht werden. Und ganz allgemein herrscht in vielen Unternehmen keine ausreichende Klarheit über Zuständigkeiten bei der nun geforderten Integration von Nachhaltigkeit über sämtliche Unternehmensaktivitäten hinweg.
Zusammenfassend ist die interne Organisation des Themas Nachhaltigkeit in vielen Unternehmen noch nicht adäquat für einen effektiven und effizienten Umgang mit den neuen Herausforderungen und Chancen, die sich aus Sustainable Finance ergeben.
Ein systematischerer Ansatz, mit besserer Orchestrierung von Akteuren und Aufgaben, ist auch mit Blick auf neue Anforderungen seitens Regulierung und Aufsicht angeraten.

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